Über uns lebte ein Mann mit seinem Sohn, der Sohn war vielleicht 18 Jahre alt oder 20. Eine Mutter gab es nicht, auch keine Geschwister. Der Sohn war drogenabhängig, das war allgemein bekannt. Manchmal roch es im Treppenhaus nach Marijuana. Der Vater hatte immer junge, schöne, exotische Freundinnen - eine von ihnen lieh sich von uns mal eine Pfanne aus und kratzte, weil sie es besonders gut machen wollte, beim Spülen den ganzen Teflonbelag ab, meine Mutter war sehr erbost - mit denen er viel Sex hatte. Sein Schlafzimmer war genau über meinem, und ich wachte in der Nacht manchmal von den Stimmen seiner jeweiligen Freundin auf, die ihr Entzücken kundtat. Einmal war ich so wütend, dass ich meinen neongrünen, verstaubten Plastiktennisschläger nahm, der auf dem Schrank lag, und solange damit gegen die Decke hämmerte, bis sie aufhörten.
Der drogensüchtige Sohn traf mich einmal vor der Haustür an, ich war in Tränen aufgelöst, weil meine Mutter die Türe nicht geöffnet hatte und ich nicht wusste, wo sie war. Das waren so die Sachen, die mich als Kind zum Heulen brachten. Der Sohn fragte mich, ob ich mit hoch kommen und Fernsehen wollte, solange ich meine Mutter nicht da sei. Vor Schreck vergass ich zu weinen, und meine Augen müssen riesig und rund gewesen sein wie Orangen, nur nicht so orange. Ich schüttelte den Kopf und drängte mich näher an die Wand. Er war bestimmt traurig, oder vielleicht war es ihm auch egal. Er verabschiedete sich und ging die Treppe hoch. Wenige Monate später starb er an einer Überdosis.
Orange















